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Wie sich Gehirne der Introverten und Extroverten voneinander unterscheiden: 6 Unterschiede, der Wissenschaft nach

Ein glamouröses gesellschaftliches Ereignis ODER ein leiser Abend zu Hause mit deinem Lieblingsbuch? Wenn du dich für Ersteres entscheidest – dann bist du ein Extrovertierter, für Letzteres – dann bist du ein Introvertierter. Im Gegensatz zu Extrovertierten bevorzugen Introvertierte Haustiere gegenüber Menschen und tiefe Gespräche gegenüber Smalltalk. Aber, weißt du, dass diese Verhaltensvorlieben das Ergebnis von Unterschieden in der Struktur deines Gehirns sind?

Ja, ein introvertiertes Gehirn ist anders verdrahtet.

Introvertierte vs. Extrovertierte

Introvertiert und extrovertiert sind die Begriffe, die verwendet werden, um zwei sehr gegensätzliche Persönlichkeitstypen zu definieren. Die Begriffe wurden von dem berühmten Psychiater Carl Jung in den 1920er Jahren geprägt. Extrovertierte und Introvertierte unterscheiden sich in der Art und Weise, wie sie ihre Energie beziehen.

Während Extrovertierte Energie aus sozialen Interaktionen und anregenden äußeren Umgebungen gewinnen, sind Introvertierte von diesen Dingen überwältigt. Sie bevorzugen leise und einsame Umgebungen und brauchen allein Zeit, um sich zu entspannen. Normalerweise sind Menschen nicht komplett extrovertiert oder introvertiert, sondern eine Mischung aus beidem. Jeder neigt jedoch eher zu einem bestimmten Persönlichkeitstyp.

Lass uns nun tiefer in die biochemische Geschichte und die Struktur des Gehirns dieser beiden Persönlichkeitstypen eintauchen. Lies weiter, um es zu wissen, warum Introvertierte und Extrovertierte anders denken und sich anders verhalten.

1. Unterschied in der Durchblutung des Gehirns

Es gibt verschiedene Arten von Neurotransmittern im Gehirn. Jeder Neurotransmitter hat einen bestimmten Weg im Gehirn, durch den er reist und lenkt, wo das Blut zirkuliert und reguliert, wie viel davon zu den verschiedenen Regionen des Gehirns fließt. Weiterhin beeinflussen der Weg und die Menge des Blutflusses, welche Teile des Gehirns und der zentralen Nervenzentren „eingeschaltet“ werden. Der Teil der Gehirnsysteme, der aktiviert wird, bestimmt unsere Reaktion auf die Welt und unser Verhalten.

In einem Experiment wurden Introvertierte und Extrovertierte gebeten, sich hinzulegen und zu entspannen, während ihnen eine sehr kleine Dosis Radioaktivität in die Blutbahn injiziert wurde. Als ihre Gehirne gescannt wurden, wurde festgestellt, dass Introvertierte mehr Blut in ihr Gehirn fließen lassen. Außerdem reiste das Blut entlang verschiedener Wege im Gehirn der Introvertierten und Extrovertierten.

Während die Extrovertierten äußerlich auf das achteten, was im Labor geschah, konzentrierten sich die Introvertierten auf ihre inneren Gedanken und Gefühle. Es scheint, dass der Weg der Introvertierten komplizierter ist als der der Extrovertierten.

2. Extrovertierte verlassen sich auf den Neurotransmitter Dopamin

Dopamin, ein entscheidender Neurotransmitter, ist eine Art Belohnung für das Gehirn und beeinflusst auch unsere Stimmung und Gefühle. Es motiviert Menschen dazu, Dinge zu erreichen und Belohnungen zu suchen. Wenn Dopamin ausgeschüttet wird, werden wir aufmerksamer für die Aktivitäten in unserer Umgebung und motiviert, Verhaltensweisen zu unternehmen, die als riskant gelten. Dopamin erzeugt in uns ein sofortiges Gefühl der Euphorie, wenn eine äußerlich belohnende Situation geschieht.

Diese Chemikalie in unseren Gehirnen spielt eine wichtige Rolle bei den Verhaltensunterschieden zwischen Introvertierten und Extrovertierten. Die Menge des ausgeschütteten Dopamins ist bei Introvertierten und Extrovertierten gleich hoch. Aber die Art und Weise, wie diese beiden Persönlichkeiten auf das ausgeschüttete Dopamin reagieren, ist unterschiedlich.

Es gibt einen deutlichen Unterschied im Dopamin-Belohnungsnetzwerk, das in einem extrovertierten Gehirn aktiver ist. Von Extrovertierten weiß man, dass sie einen kürzeren Dopaminweg haben. Informationen aus der Außenwelt wie Geräusche, Bilder, Licht durchlaufen einen kürzeren Weg ( d.h. – „quick response“ Bereiche des Gehirns, wo Geschmack, Berührung, Sehen und Geräusche verarbeitet werden), bevor sie in das Gehirn eines Extrovertierten gelangen.

Daher fällt es extrovertierten Menschen leichter als introvertierten, ein Mädchen um ein Date zu bitten, mit Fremden zu sprechen und Risiken einzugehen. Es ist das Dopamin, dass Extrovertierte immer wieder über neue Unternehmungen begeistert sind und sich belohnt fühlen, wenn sie mit Menschen in Kontakt kommen. Dopamin und die Intensität der Stimulation wirken als Hinweis, dass sie ihre Ziele erreichen. Extrovertierte haben eine geringe Empfindlichkeit für Dopamin, daher brauchen sie diese Chemikalie in großen Mengen. Auf der anderen Seite sind Introvertierte sehr empfindlich für Dopamin und fühlen sich überstimuliert, so das Buch „The Introvert Advantage“ von Dr. Marti Olsen Laney aus dem Jahr 2002.
Extrovertierte haben einen kürzeren Dopaminweg und Introvertierte haben einen längeren Acetylcholinweg.

3. Introvertierte sind auf den Neurotransmitter Acetylcholin angewiesen

Introvertierte sind abhängiger von Acetylcholin, das auch ein Neurotransmitter ist, aber etwas anders funktioniert als Dopamin. Acetylcholin ist, wie Dopamin, ein belohnungsauslösender Neurotransmitter, aber die Belohnung ist eher intern.

Wenn Acetylcholin ausgeschüttet wird, ermutigt es eine Person zur Selbstbeobachtung und hilft ihr, sich entspannt und zufrieden zu fühlen. Es ermöglicht einer Person auch, sich auf eine bestimmte Aufgabe zu konzentrieren, wie z.B. Bücher zu lesen oder zu laufen. Es ist einfacher, sich nach innen zu wenden, wenn es keine äußeren Reize gibt.

Deshalb bevorzugen Introvertierte eine ruhigere Umgebung, damit sie die Belohnung von Acetylcholin erfahren können, das in ruhigeren Umgebungen besser funktioniert.

Einige andere Studien haben herausgefunden, dass kortikale Neuronen von Introvertierten und Extrovertierten unterschiedlich auf die Neurotransmitterchemikalien Gamma-Aminobuttersäure (GABA) und N-Methyl-D-Aspartat (NMDA) reagieren können. Dies ist ein interessanter Zusammenhang, da sowohl GABA als auch NMDA mit Angstzuständen gebunden sind.

4. Unterschied in der grauen Substanz

Der präfrontale Kortex ist ein Teil des Gehirns, der eine Reihe von Aktivitäten überwacht, wie soziales Verhalten, abstraktes Denken und Entscheidungsfindung. Er ist auch der Sitz von Persönlichkeitsmerkmalen. Diese Region enthält graue Substanz – ein Hirngewebe, in dem die meiste Hirnaktivität stattfindet.

Introvertierte haben einen höheren Anteil an grauer Substanz in ihrem präfrontalen Kortex als Extrovertierte. Außerdem ist die graue Substanz bei Introvertierten im Durchschnitt dichter als bei Extrovertierten.

Wie wirkt sich das auf das Verhalten aus?

Introvertierte finden es lohnender, sich tief auf abstrakte Themen zu konzentrieren, während es bei Extrovertierten darum geht, den gegenwärtigen Moment zu genießen.

In einer Studie von Wissenschaftlern der Cornell University sammelte das Forscherteam eine gemischte Stichprobe von Introvertierten und Extrovertierten und teilte diese Freiwilligen zufällig in zwei Gruppen auf. Die erste Gruppe nahm das Aufputschmittel Ritalin, während die zweite Gruppe ein Placebo einnahm. Alle Teilnehmer schauten sich dann eine Reihe von Videos an, wie zufällige Landschaftsaufnahmen und Waldszenen. Derselbe Test wurde nach drei Tagen ohne Medikamente erneut durchgeführt. Die Forscher maßen die Wachsamkeit und das Verhalten der Probanden.

Extrovertierte, die Ritalin genommen hatten, waren auch ohne das Medikament aufgeregt beim Betrachten der Videos. Aber Introvertierte waren nach dem Video nicht glücklicher oder aufmerksamer, unabhängig davon, ob sie Ritalin genommen hatten oder nicht. Das Ergebnis beruht auf einem entscheidenden Unterschied zwischen der Art und Weise, wie Introvertierte und Extrovertierte Gefühle von Erregung verarbeiten. Extrovertierte assoziieren Belohnungsgefühle mit ihrer unmittelbaren Umgebung, während Introvertierte sie eher mit ihren inneren Gedanken in Verbindung bringen oder sie als Angstzustand statt als Aufregung interpretieren können.

5. Unterschiede in Frontallappen und Amygdala

In einer Studie aus dem Jahr 2006 zeigten PET-Scans von Introvertierten mehr Aktivität in den Frontallappen des Gehirns. Diese Hirnregion wird für das Erinnern, Problemlösen und Planen aktiviert. Extrovertierte zeigen eine größere Aktivität in den vorderen Hirnlappen. Diese Hirnregion ist an der Verarbeitung von äußeren Reizen wie Hören, Sehen oder Fahren beteiligt.

Einige Studien haben gezeigt, dass die rechtshemisphärische Amygdala bei Extrovertierten tendenziell größer ist als bei Introvertierten, ebenso wie der anteriore cinguläre Kortex – außer bei weiblichen Extrovertierten, deren anteriore cinguläre Kortex offenbar kleiner ist als der von introvertierten Frauen.

Obwohl viele Studien das anteriore Cingulum bei der sozialen Fehlererkennung hervorgehoben haben, ist es nicht eindeutig geklärt, wie Introvertierte und Extrovertierte soziale Fehltritte verarbeiten. Forscher haben herausgefunden, dass der prämotorische Kortex eines Introvertierten dazu neigt, Reize schneller zu verarbeiten, als der eines Extrovertierten.
Unterschiede im Gehirn von Introvertierten und Extrovertierten.

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6. Introvertierte bevorzugen einen Typ des Nervensystems mehr als den anderen

Es gibt zwei Teile des Nervensystems – den Sympathikus und den Parasympathikus.

Der Sympathikus ist für den „Kampf, Angst und Flucht“-Modus verantwortlich. Er bereitet den Körper auf die Aktion vor, triggert die Ausschüttung von Adrenalin, pumpt Glukose in die Muskeln, um sie mit Energie zu versorgen, und der Sauerstoffgehalt des Körpers wird erhöht. Der Denkprozess wird vorübergehend angehalten und der Neurotransmitter Dopamin steigert die Wachheit im hinteren Teil des Gehirns.

Der Parasympathikus hingegen entspannt die Muskeln, spart Energie und kurbelt den Stoffwechsel der Nahrung an. Er triggert die Ausschüttung von Acetylcholin, was wiederum die Durchblutung des vorderen Teils des Gehirns erhöht und es noch wacher machen soll.

Neben Dopamin brauchen Extrovertierte auch seinen Handlanger Adrenalin, um mehr Dopamin im Gehirn zu machen. Extrovertierte sind also mit dem Dopamin/Adrenalin-verausgabenden, sympathischen Nervensystem verbunden. Introvertierte hingegen bevorzugen das Acetylcholin, das energieerhaltende, parasympathische Nervensystem. Dies ist es, was Introvertierte befähigt, ruhig zu handeln und Entscheidungen mit Bedacht zu treffen.

Resümee

Die Informationen, die das Gehirn eines Introvertierten von der Außenwelt erhält, reisen durch einen längeren Weg, der Acetylcholinbahn genannt wird. Auf diesem Weg durchqueren die Informationen viele verschiedene Bereiche, wie den rechten vorderen Inselbereich, der mit Empathie, Gefühlen und Introspektion zu tun hat, dann die Broca-Region, die für Selbstgespräche, Worte und Sprache zuständig ist. Es durchquert auch den rechten und linken Frontallappen und den Hippocampus, die jeweils individuelle Funktionen haben.

Auf der anderen Seite laufen die Informationen im extrovertierten Gehirn durch den kürzeren Weg, der Dopaminweg genannt wird und Regionen im Gehirn durchquert, die Sehen, Hören, Schmecken und Tasten verarbeiten. Der Acetylcholin-Weg, den die Informationen im Gehirn eines Introvertierten nehmen, ist viel länger als der Dopamin-Weg. Daher brauchen Introvertierte mehr Zeit, um zu reagieren und zu sprechen und neigen dazu, Dinge zu überdenken.

Jetzt, da du es weißt, dass die Beschaffenheit deines Gehirns anders ist, wird es wahrscheinlich mehr Sinn für dich machen, dass du von Natur aus ruhigere und friedlichere Umgebungen bevorzugst und stark stimulierende Umgebungen meidest.

Referenzen:

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